Zum fünften Mal leuchtet in Dahrendorf ein Christbaum auf dem DDR-Relikt

#Dahrendorf – Diverse Einbruchsversuche, Tiefflüge, Hubschrauber-Lasten-Absetzübungen mit Punktlandungen der Bundeswehr – alles das hat der Dahrendorfer Grenzturmbesitzer Rainer Axmann in den vergangenen Jahren über sich und sein liebstes Hobby ergehen lassen. Doch der gebürtige Gifhorner und Neu-Altmärker mit Herzblut gibt nicht auf, sein Projekt am „Grünen Band“ weiter voranzutreiben. „Jetzt hab ich mir auch originale Pläne der Grenztruppen und der Bau-Pioniere aus der DDR-Zeit für die Grenztürme besorgt.

Dahrendorfer Grenzturmbesitzer Rainer Axmann auf dem ehemaligen Grenzturm.

Sie zeigen, wie nach der damaligen DDR-Norm, also der so genannten TGL, die Türme standardisiert in Serie gebaut wurden“, erklärt Axmann. Insgesamt sind in der Region vier der ehemaligen Grenzwachtürme aus Stahlbeton-Fertigelementen bis heute erhalten geblieben. Sie sind stumme Zeugen der Vergangenheit.

Vorgängertürme bei Sturm umgefallen

Zuerst hat es an der innerdeutschen Grenze die bekannten Rundtürme zu Aufklärung und Überwachung gegeben. Die waren aber extrem windanfällig und viele der elf Meter hohen Ungetüme fielen bei Sturm einfach um. Später entwickelte das Grenzregime dann die neun Meter hohen Aufklärungstürme und die sechs bis acht Meter hohen Führungsstellen mit quadratischem Grundriss. Von den insgesamt einst 434 Türmen an der 1393 Kilometer langen innerdeutschen Grenze stehen heute nur noch wenige. Bis zum Fall der Mauer sorgten etwa 30 000 Grenzsoldaten, 870 Kilometer Grenzzaun, 440 Kilometer Selbstschussanlagen vom Typ „SM-70“, 602 Kilometer Kfz-Sperrgräben sowie 230 Kilometer Minenfelder vom Typ 66 für einen nahezu undurchdringlichen „Eisernen Vorhang“ zwischen der BRD und der DDR.

Und auch noch eine Advents-Premiere der besonderen Art gibt es in Dahrendorf: Weihnachten auf dem historischen DDR-Grenzturm. Bereits zum fünften Mal in Folge leuchtet in Dahrendorf ein Christbaum auf dem Dach. Pünktlich jeden Nachmittag schaltet sich der Timer automatisch ein und die Lichterkette des Weihnachtsbaumes beginnt hoch über dem Ort zu leuchten. Dafür hat Rainer Axmann als neuer Eigentümer des Turmes gesorgt. Der Christbaum selbst ist an dem alten Geländer des Grenzturmes montiert. 2023 sollen die Sanierungsarbeiten an dem historischen Grenzturm weiter gehen, erfuhr die AZ vom Eigentümer noch.

Quellenangabe: VON KAI ZUBER Altmarkkreis Salzwedel vom 07.12.2022, Seite 5

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Abtauchen in die Geschichte

Grenzturm-Besitzer Rainer Axmann erforscht Objekt der kasernierten Volkspolizei

VON KAI ZUBER

Auch im Grenzlandmuseum in Schnega ist die wechselvolle Geschichte der DDR-BRD-Grenze ausführlich dokumentiert. Und zwar von den Anfängen der kasernierten Volkspolizei über die Zeit der Grenztruppen bis hin zum Mauerfall.

Holzhausen/Wiewohl – Bei sämtlichen Themen, die sich um die innerdeutsche Grenzgeschichte des ehemaligen „Eisernen Vorhangs“ oder Militärhistorie allgemein ranken, ist Rainer Axmann sofort hellwach.

Der gebürtige Gifhorner und zugezogene Neu-Altmärker hat nicht nur den Dahrendorfer Grenzturm erworben und saniert. Nun hat er in der unmittelbaren Nähe der Dährer Ortsteile Wiewohl und Holzhausen noch ein marodes Gelände mit verfallenen Wirtschaftsgebäuden und Garagen erworben. Dann forschte er zu den Alteigentümern und der Historie des Areals und wurde fündig. Denn: Das Gelände diente einst der kasernierten DDR-Volkspolizei.

„Es war ganz am Anfang der Grenzbefestigungen. Die kasernierte Volkspolizei war Vorläufer der späteren Grenztruppen. Damals gab es noch andere Uniformen. Die Grenze bestand nur aus Hinweisschildern und einem gespannten Draht. In dem von ihm gekauften Objekt bei Holzhausen-Wiewohl standen in Garagen und Baracken die Technik und Fahrzeuge der damaligen Grenzwächter. Es gab eine vorgelagerte Baracke mit Küche, Werkstatt und Aufenthaltsräumen. Erst als später die große Grenz-Kaserne in Bonese fertiggestellt war, wurde das Objekt bei Holzhausen nicht mehr gebraucht“, berichtet Axmann.

Auch im Grenzlandmuseum in Schnega ist die wechselvolle Geschichte der DDR-BRD-Grenze ausführlich dokumentiert. Bei Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 verfügte der neue Staat bereits in den kasernierten Bereitschaften der Volkspolizei über den Kern einer künftigen Armee. Diese Bereitschaften wuchsen weiter und umfassten Ende 1949 bereits nach Waffengattungen differenzierte Verbände, etwa Artillerie-, Panzer- und Pionierbereitschaften.

Im Oktober 1949 wurde als übergeordnete zentrale Behörde die Hauptverwaltung für Ausbildung (HVA) eingerichtet. Im Jahr 1950 erfolgte der, faktisch immer noch getarnte, Aufbau der anderen Teilstreitkräfte. Aus einem Tarnreferat in der HVA wurde im Juni 1950 die Hauptverwaltung Seepolizei (HVS), noch in der HVA entstand 1950 ein Tarnreferat zum Aufbau von Luftstreitkräften. Ende 1950 bestanden in der DDR etwa 70 000 Mann kasernierte Bereitschaften und zusätzlich etwa 30 000 Mann Grenzpolizei und Transportpolizei.

Anfang 1951 wurden die bislang nach Waffengattungen getrennten Verbände in gemischten militärischen Einheiten nach sowjetischem Vorbild zusammengefasst. Nun erfolgte auch die Aufstellung der ersten Verbände der Luftpolizei. 1952 wurde aus der verdeckten Aufrüstung eine offene, während im Westen die Vorbereitungen zur Bildung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) anliefen. Die Bereitschaften hießen nun kasernierte Volkspolizei (KVP), geführt durch den Stab der KVP, die frühere HVA. Die KVP umfasste auch die Volkspolizei-See und die Volkspolizei-Luft.

Im Mai 1952 erfolgte die Unterstellung der Grenzpolizei unter das Ministerium für Staatssicherheit. „Zeitgleich wurden an der Westgrenze eine 5-Kilometer-Sperrzone, ein 500-Meter-Schutzstreifen und ein 10-Meter-Kontrollstreifen eingerichtet“, berichtet Rainer Axmann.

Bei der Niederschlagung des Arbeiteraufstands in der DDR im Juni 1953 erwies sich die kasernierte Volkspolizei teilweise als unzuverlässig. Etwa 10 000 Mann wurden entlassen, der Aufbau wurde zeitweilig ausgesetzt. Bereits 1954 wurde jedoch eine Gliederung in Divisionen nach sowjetischem Vorbild eingeführt. Am 14. Mai 1955 wurde der Warschauer Vertrag unterzeichnet, die DDR wurde damit Teil des sowjetisch dominierten Militärbündnisses.

Am 18. Januar 1956 erfolgte per Gesetz die Bildung der Nationalen Volksarmee (NVA) und des Ministeriums für Nationale Verteidigung. Die KVP bildete den Kern der neuen Armee, der Dienstbeginn erfolgte am 1. März 1956. Da trotz intensiver Werbemaßnahmen die Zahl der Freiwilligen hinter den Erwartungen zurückblieb, erfolgte am 24. Januar 1962 die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Bis 1962 erreichte die NVA 85 000 Mann, Ende 1989 umfasste sie 173 000 Soldaten.

Am 15. September 1961 wurde die Deutsche Grenzpolizei in die NVA überführt und bildete in ihr die Grenztruppen. Das Kommando der Deutschen Grenzpolizei wurde unter dem Minister für Nationale Verteidigung zum Kommando Grenze, später Kommando der Grenztruppen, umgebildet. Im Herbst 1962 umfassten die Grenztruppen etwa 52 000 Angehörige.

Beim Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde die NVA eingesetzt, um, laut offiziellem Sprachgebrauch, eine „von den west-deutschen Imperialisten vorbereitete Aggression gegen die DDR zu verhindern“. Bei der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ am 20. August 1968 durch Truppen des Warschauer Pakts war die NVA nur passiv beteiligt, die vorgesehenen Einheiten verblieben gefechtsklar in ihren Bereitschaften an der Grenze zur CSSR.

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