Prinzenpaar in Dähre zu werden, kann abenteuerlich sein: Darüber erzählen Stefanie Lerche und Jens Hamer

Ihre Lieblichkeit Stefanie (Lerche) und Prinz Jens (Hamer) sind das Prinzenpaar der 66. Saison der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre. Wie fanden die beiden zueinander? Die Volksstimme fragte nach.
Von Anke Pelczarski VOLKSSTIMME

Jens I. (Hamer) und Stefanie (Lerche) sind das Prinzenpaar der 66. Saison der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre. Sie freuen sich auf die drei besonderen Tage und verraten, wie es zum „Paar auf Zeit“ gekommen ist. Foto: Anke Pelczarski VOLKSSTIMME

Siedendolsleben l Noch kurz stillsitzen: Akupunkturnadeln stecken in der Hand und im Ohr von Jens Hamer. „Ich hoffe, dass es bis zum Karnevalsumzug hilft. Ich habe nämlich eine schwere Pferde-Allergie“, verrät der 49-Jährige, warum er dieses Prozedere über sich ergehen lässt. Doch er nimmt es mit Humor. Schließlich war es schon eine ganze Weile sein Wunsch, mal Prinz zu sein. Und am Rosenmontag in der Kutsche durch Dähre zu fahren, das wäre schon schön.

Als Sieglinde Mahlke im Oktober des Vorjahres bei ihm anrief, dachte er, dass es um den Sportplatz – Jens Hamer ist Vorsitzender des Sportvereins Schwarz-Weiß Dähre – oder ums Waldbad gehen könnte. „Da meldete sich das schlechte Gewissen: Ich habe überlegt, was ich vergessen habe“, merkt er an. Dass aber die engagierte Dährerin als Prinzenbeschafferin unterwegs war, darauf kam er in diesem Moment nicht. „Und dann stellte sie die Frage aller Fragen: ob ich Prinz werden wolle“, schildert Jens Hamer und fügt hinzu: „Ich habe gleich zugesagt.“ Schließlich sei er familiär etwas vorbelastet. Sein Papa Klaus-Dieter Hamer sei 1959/60 Kinderprinz in Dähre gewesen. Doch wer die Prinzessin an seiner Seite sein solle, da war der ehemalige Busfahrer ratlos. „Meine erste Idee war meine Frau Patricia. Sie unterstützt mich gern. Doch ihr Urlaubsplan war schon fertig“, erzählt er. Eine andere Idee hatte er nicht. „Da habe ich auf die Hilfe der Prinzenbeschaffer gebaut. Sieglinde Mahlke hatte auch gleich einen Geistesblitz“, beschreibt Jens Hamer den weiteren Werdegang.

Und prompt klingelte bei Stefanie Lerche das Telefon. „Sieglinde hat mich komplett hochgenommen“, blickt die 43-Jährige zurück, die aus Dähre stammt und heute in Berkau zu Hause ist. „Sie fragte nach Schuhen, die ich bei ebay-Kleinanzeigen angeboten hatte. Diese würde sie nur unter einer Bedingung nehmen: wenn ich Prinzessin werde“, fügt sie hinzu und muss auch heute noch darüber lachen. Den Namen des Prinzen würde die Prinzenbeschafferin erst herausrücken, wenn sie „Ja“ gesagt habe. „Das habe ich natürlich gleich getan“, erzählt Stefanie Lerche, die ebenfalls schon länger von einem Jahr als „Lieblichkeit“ träumt. Denn der Karneval in ihrem Heimatort ist ihr eine Herzensangelegenheit. Sie habe schon vor Jahrzehnten bei Ursula Starke während der Faschingszeit getanzt und war bei der Karnevalspolizei. „Meine Mutti Ilona Lerche war im Jahr 1988/89 Prinzessin“, schildert die Lehrerin, die an der Förderschule in Gardelegen unterrichtet.

Auch wenn es zeitlich nicht einfach sei – zwischen Berkau und Dähre liegen 60 Kilometer – so sehe sie die Aufgabe für das besondere Jahr nicht als Last, sondern als Auszeichnung. Rückendeckung erhält sie von ihrem Mann Steffen, der eher ein Karnevalsmuffel ist.

Am aufregendsten seien die Tage zwischen dem „Ja-Wort“ und der Proklamation gewesen, gestehen die beiden. „Wir haben uns bei Nacht und Nebel getroffen, sind mit fremden Autos unterwegs gewesen, damit uns ja keiner erkennt. Denn es waren einige Details abzusprechen“, beschreibt Stefanie Lerche. Ein Treffpunkt sei sogar der Bäcker in Kusey gewesen. „Da waren wir uns ziemlich sicher, dass uns keiner sieht“, fügt Jens Hamer augenzwinkernd hinzu. Und immer wieder die Spekulationen in der Familie, denen es mit Nichtigkeiten zu entgegnen galt, um eine falsche Fährte zu legen, blickt die Prinzessin zurück. Nur einer habe sie kurzfristig verraten, was zum Start in die 66. Saison passiert: Denn ihre Mutti Ilona wollte eigentlich an dem Abend den Enkeldienst übernehmen…

Stefanie Lerche baut auf ihre Erfahrungen: Sie legt allen Schmuck ab, schlüpft extra in neue Schuhe. „Ich bin davon ausgegangen, wonach ich geguckt habe, wenn ein neues Prinzenpaar proklamiert wurde“, fügt sie hinzu. Am Dährer Ortseingang habe sie Sieglinde Mahlke ihr Kleid übergeben, damit dieses in die Turnhalle „geschmuggelt“ werde. Dort ist über der Bühne das Motto „Wie eine Fatamorgana“ zu lesen. Außenherum sind Urlaubs-utensilien drapiert. Das könnte auf viele passen. Das aktuelle Prinzenpaar verbindet die Liebe zum Wasser und das Urlaubsziel Kroatien, das beide gern ansteuern.

Im einstigen Kohlebunker, kurz vor „ihrem“ Programmteil, sei die Aufregung weiter gestiegen, gesteht Prinz Jens. „Der Turban hat nicht so richtig gehalten“, fügt er hinzu. „Die Begleiter und Träger haben uns immer wieder provoziert, damit wir etwas sagen“, schildert Stefanie Lerche. Doch sie hätten keinen Laut von sich gegeben, nur mit Schulterzucken und Kopfdrehen reagiert.

Als das Geheimnis dann auf der Bühne gelüftet war, ging ein erstauntes Raunen durch die Turnhalle. „Der Erste, der mir gratuliert hat, war unser Karnevalsurgestein Walter Faescke. Darüber habe ich mich sehr gefreut“, sagt die Prinzessin. Als solche habe sie sich auch auf der Bühne gefühlt. Die Vorgänger Madlen und Stefan Lehnecke hätten ihnen ganz viele Tipps gegeben. „Wir sind gut umsorgt worden, auch wenn wir darauf achten mussten, dass mit uns nur wenig Schabernack getrieben wird“, blickt Jens Hamer zurück. Allerdings hätten sie ganz schön viel gequatscht, was nicht gerade fair den Mitwirkenden gegenüber gewesen sei, gibt die Berkauerin zu: „Dafür haben wir uns während der ersten Elferratssitzung gleich bestraft.“ Na ja, das Bestrafen, das müssten sie noch üben, fügen die beiden lächelnd hinzu. Aber das Geld sei schließlich für einen guten Zweck, für einen gemütlichen Ausklang der 66. Saison. Doch erst stehen die drei närrischen Tage im Februar an. Bis dahin will Jens Hamer noch etwas „Tanzunterricht“ nehmen. Denn das klappe noch nicht so gut.

Für Stefanie Lerches Sohn Simon wird der Rosenmontag „eine riesige Party“. Denn an dem Tag wird der Filius sechs Jahre jung. Dann feiert er zusammen mit der Familie und ganz vielen Gästen. „Ich wünsche mir knackig-kaltes Wetter für diesen Tag, damit der Glühwein gut schmeckt“, blickt die Prinzessin voraus. Auch die Kinder von Jens Hamer werden mitfeiern. „Wir hoffen, dass das Jahr nicht so schnell vorbei ist“, meinen die beiden. Denn der Siedendolslebener findet die Anrede „Hallo, Prinz“ prima. Und die Berkauerin schlüpft gern ins T-Shirt mit der Aufschrift „Vollzeit-Prinzessin“, das ihr ihr Mann geschenkt hat. Der Spaß an der besonderen Aufgabe ist dem Paar auf Zeit jedenfalls anzumerken.

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