23-Einwohner-Ort feiert am 17. August am Trafoturm 777 Jahre erste urkundliche Erwähnung

So schnell kann ein kleines Dorf knapp 150 Jahre älter werden: Der Fund einer historischen Urkunde macht es in Wiewohl möglich.
Von David Schröder – VOLKSSTIMME

Sechs Wiewohler planen die Feier zum 777-jährigen Bestehen des Dorfes (von links): Heino und Britta Behrendt, Manfred und Runa Schröder sowie Harald und Carola Hennig. Foto: Matthias Hennig

 

Wiewohl l Eine große Überraschung erlebte Manfred Schröder, Ortschronist des 23-Einwohner-Dorfes Wiewohl, im vergangenen Jahr. Eigentlich sollte 2020 das 625-jährige Bestehen des Dorfes gefeiert werden. Doch dann mussten die Wiewohler schnell umplanen und die Zahl zur Feier deutlich nach oben korrigieren. Der Salzwedeler Stadtarchivar Steffen Langusch hatte nämlich bei Recherchen eine historische Urkunde des Bischofs von Verden entdeckt. Die bestätigt, dass Wiewohl bereits am 15. August 1242 bestand. Damit feiern die Anwohner in diesem Jahr bereits 777 Jahre erste urkundliche Erwähnung. Ein mächtiger Sprung in der Zeit.

Kleines Fest mit Blick in die Geschichte

Doch die Dorfgemeinschaft hat es gepackt. Am kommenden Sonnabend, 17. August, wird es am Trafoturm in der Ortsmitte ein kleines Fest geben. Los geht es um 11 Uhr mit einer Andacht in Begleitung eines Posaunenchores. Danach können die Gäste im Turm eine Fotoausstellung zur Geschichte des Ortes besichtigen. Rund herum gibt es kulinarische Spezialitäten und zwischendurch wird Ortschronist Manfred Schröder einige besondere Begebenheiten der Dorfgeschichte in einem Vortrag erläutern. Eingeladen sind alle aktuellen und ehemaligen Wiewohler sowie Interessenten aus der Nachbarschaft.

 

Eine Postkarte aus dem Jahre 1911 zeigt das Gasthaus von Adolf Bock. Repro: David Schröder VOLKSSTIMME

 

Und die Geschichte Wiewohls hält einige spannende Anekdoten parat, wie die Volksstimme bei einem Blick in die Chronik bereits sehen konnte. So muss die Region an der Landesgrenze bereits in frühester Zeit besiedelt gewesen sein, wie der Fund eines Steinbeils im 19. Jahrhundert bewies. Leider ist das gute Stück in den Archiven des Salzwedeler Danneil-Museums verloren gegangen – auch eine Anekdote für sich.

Zum Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung 1242 ist Wiewohl ein Rundlingsdorf mit acht Hofstellen. Damals wurde der Ort auch Wiewelle oder später Winwal genannt. „Der weite Wald“, erklärt Manfred Schröder die Bedeutung des Namens, denn erst für die landwirtschaftliche Nutzung verschwanden die Wälder in der Nähe des Ortes. Im Dreißigjährigen Krieg schrumpfte der Ort auf vier Höfe, „die allerdings schnell wieder besiedelt wurden“, weiß der Ortschronist zu berichten.

Größte Einwohnerzahl nach dem Krieg

1649 ist dann erstmals in einer Quelle von Wiewohl die Rede. Damals gehörte das Dorf zum Amt Diesdorf, später auch mal zu Warpke im heutigen Niedersachsen. Um 1900 sollen im Dorf 79 Menschen gelebt haben. Die höchste Einwohnerzahl erreichte Wiewohl zum Kriegsende. „Mit den Flüchtlingen sollen es über 100 gewesen sein“, berichtet Manfred Schröder.

 

Ein Blick auf den nordöstlichen Teil des Ortes mit der Straße in Richtung Lagendorf zu Beginn der 1970er-Jahre. Foto: Manfred Schröder

 

Nach dem Krieg wurden die Zeiten in Wiewohl nicht einfacher, die Lage zur nahen Grenze zur BRD sorgte für einige schwerere Schicksale. Die Aktion „Ungeziefer“ ging auch an dem kleinen Ort nicht spurlos vorüber. Später musste sich die Dorfbevölkerung mit dem Platz im Sperrgebiet arrangieren. „Wir mussten Kontrolleinrichtungen in Lagendorf und Bonese passieren“, erinnert sich Manfred Schröder.

Heute ist der Ort am Rande der sogenannten Müssinger Berge von allen Seiten gut erreichbar. „Und wir wachsen wieder“, weiß der Ortchronist von bevorstehenden Zuzügen, dass die Einwohnerzahl bald wieder steigt.

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