Der Standort Dähre sorgte vor einigen Jahren mit der Vier-Tage-Woche für Schlagzeilen. Doch die Einrichtung hat eine Wende hingelegt. Gute Unterrichtsversorgung und ein engagiertes Team haben der Schule neues Leben eingehaucht.

#Dähre. Der Tag der offenen Tür an der Ganztagsschule in Dähre, die mit dem Beetzendorfer Standort eine Einrichtung bildet, bot Eltern, Kindern und Gästen nicht nur die Gelegenheit, Klassenräume, Fachbereiche und Ganztagsangebote kennenzulernen. Er war zugleich ein sichtbares Zeichen für den tiefgreifenden Wandel, den die Schule in den vergangenen Jahren vollzogen hat. Darüber sprach Lehrerin Diana Herting, Koordinatorin der Ganztagsangebote am Standort Dähre.

Thea Rangott (von links), Larissa Niemann, Emma Schumacher und Mia Lynn Thunecke gehören zur neuen Theater-AG.
Foto: GTS Dähre

Die Schule präsentierte sich vielseitig und praxisnah. Fachlehrkräfte stellten ihre Unterrichtsbereiche vor. Besonderen Zuspruch fanden die Ganztagsangebote. Anika Vierke zeigte gemeinsam mit Schülern die Nähwerkstatt, während Enrico Vierke Einblicke in die Technik-AG gab. Ergänzt wird das Angebot durch eine Kicker-AG, eine Mädchen-AG sowie weitere Betreuungsangebote in der siebten und achten Stunde an drei Tagen pro Woche – inklusive warmer Mittagsverpflegung.

Ab diesem Halbjahr wird das Ganztagsangebot in Dähre weiter ausgebaut. Neu hinzu kommt eine Theater-AG unter der Leitung von Andrea Leonhardt, Sekretärin der Schule und passionierte Freizeit-Schauspielerin. Bereits im Rahmen eines Weihnachtsprojektes hatte sie klassenübergreifend ein Theaterstück einstudiert – mit so großer Resonanz, dass daraus nun ein dauerhaftes Angebot entsteht. Insgesamt zeigt sich: Die Ganztagsarbeit, die einst mit nur zwei Kursen begann, ist heute ein fester Bestandteil des Schullebens.

Aktuell werden am Standort Dähre mehr als 150 Schüler unterrichtet. Besonders erfreulich: Nach längerer Zeit konnte im vergangenen Schuljahr wieder eine zweizügige Jahrgangsstufe gebildet werden. Auch im laufenden Schuljahr gibt es eine fünfte Klasse mit 24 Kindern – ein positives Signal für die Zukunft des Standortes.

Noch vor wenigen Jahren war die Situation eine völlig andere. Unterrichtsausfall, akuter Lehrermangel und sogar die Diskussion um eine Vier-Tage-Woche prägten das Bild der Schule. „Teilweise hatten wir nur vier Stunden Unterricht am Tag. Es ging kaum darum, Projekte umzusetzen, sondern überhaupt den Pflichtunterricht abzusichern“, erinnert sich Herting. Diese Phase sei jedoch überwunden. Inzwischen könne die Schule alle Fächer abdecken – wenn auch in einigen Bereichen mit begrenztem Stundenumfang.

Ein entscheidender Faktor für diese Entwicklung ist die personelle Verstärkung. Drei neue, überwiegend junge Lehrkräfte konnten gewonnen werden, darunter für die lange problematischen Fächer Mathematik, Englisch und Informatik. Hinzu kommen pädagogische Mitarbeiterinnen, die insbesondere im außerunterrichtlichen Bereich große Unterstützung leisten. Dadurch sei es möglich geworden, Projekte dauerhaft zu etablieren und das Schulleben aktiv zu gestalten.

Beispiele dafür sind die jährliche Herbst-Olympiade, klassenübergreifende Projekttage, ein Weihnachtsprojekt mit Marktcharakter oder das Sommerfest im Waldbad. Diese Veranstaltungen stärken nicht nur den Zusammenhalt der Schülerschaft, sondern auch die Identifikation mit der Schule. Ergänzt wird dies durch Projekte zur Medienkompetenz, Selbstverteidigungstrainings, Umwelt- und Demokratieprojekte, die teils über Förderprogramme wie „Demokratie leben“ realisiert werden.

Auch die Einbindung ins Dorfleben spielt eine wichtige Rolle. Die Schule beteiligt sich regelmäßig an Veranstaltungen wie dem Rosenmontagsumzug in Dähre, bei dem in diesem Jahr gut 30 Schüler mitgelaufen sind. Unterstützung kommt dabei auch aus der Gemeinde selbst – etwa durch engagierte Eltern und Ehrenamtliche, die Ganztagskurse anbieten oder Projekte begleiten. „Es ist ein Geben und Nehmen“, betont Herting. „Das Dorf unterstützt uns, und wir bringen uns als Schule aktiv ein.“

Parallel zur inhaltlichen Entwicklung wurde auch in die Infrastruktur investiert. Derzeit entsteht eine neue Küche für den Hauswirtschaftsunterricht, nachdem die alte Anlage aufgrund von Feuchtigkeit und baulichen Mängeln nicht mehr nutzbar war. Perspektivisch soll damit auch eine Koch-AG am Standort Dähre ermöglicht werden. Zudem wurden Räume saniert, digitale Tafeln installiert und weitere Verschönerungsmaßnahmen umgesetzt.

Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal der Schule ist das Angebot Spanisch als zweite Fremdsprache ab Klasse 7. Dieses freiwillige Zusatzangebot ist an Sekundarschulen in Sachsen-Anhalt eine Ausnahme. Ziel ist weniger die reine Prüfungsorientierung, sondern vor allem die mündliche Sprachpraxis. „Die Schülerinnen und Schüler sollen sich im Alltag verständigen können“, sagt Diana Herting, die das Fach selbst unterrichtet. Dass einige Jugendliche das Fach bis zur zehnten Klasse belegen, wertet sie als großen Erfolg.

Der Tag der offenen Tür machte deutlich, wie sehr sich der Standort Dähre gewandelt hat. Aus einer Schule, die vor einigen Jahren noch um ihre Funktionsfähigkeit kämpfte, ist ein lebendiger Lern- und Lebensort geworden. Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen – doch die Richtung stimmt.

Oder, wie Diana Herting es zusammenfasst: „Früher ging es darum, überhaupt zu funktionieren. Heute geht es darum, Schule aktiv zu gestalten.“

Quelle: Volksstimme von Marco Heide Salzwedel, 20.02.2026
https://epaper.volksstimme.de/

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