In so manchen Kommunen geht das Schwimmbad wegen der hohen Kosten baden. Vor allem auf dem Land. Ein Glück, wenn es Freiwillige mit einem Sinn fürs Gemeinwohl gibt.

Bernd Hane ist ein Mann wie ein Baum. Groß gewachsen, kräftig gebaut, überzeugter Hutträger, studierter Landwirt, Posaunespieler …
Und er ist Bürgermeister der Gemeinde Dähre im Altmarkkreis Salzwedel. Bernd Hane ist auch Vorsitzender der Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), ehrenamtlicher Rettungsschwimmer und Bademeister. Und er liebt das örtliche Waldbad, wo er schon im Eröffnungsjahr 1976 als 18-jähriger Aufpasser am Beckenrand stand.

Für das Waldbad Dähre immer auf dem Sprung: Bürgermeister Bernd Hane, die Vereinsvorsitzende Sieglinde Mahlke, Katrin Giese, Anika Vierke und Michael Giese (von links). – Bildnachweis Anika Vierke

„Das Bad lebte von Anfang an vom Ehrenamt“, sagt Bernd Hane, der 1957 in Bad Lauchstädt zur Welt gekommen und in Dähre seit 2017 Gemeindeoberhaupt ist. Anders, so sagt er, sei es auf dem Land und vor allem in einer so dünn besiedelten Region wie der nordwestlichen Altmark gar nicht möglich. „Das lässt die Finanzlage der Kommunen in der Regel gar nicht zu, denn so ein Badbetrieb kostet richtig Geld.“ Und er sagt ganz deutlich: „Ohne den Förderverein hätten wir das Waldbad längst für immer schließen müssen.“

Der Förderverein Waldbad Dähre hat seit seiner Gründung 2014 eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Zwar agierte man auch schon zuvor viele Jahre als lose Gemeinschaft im Hintergrund, doch seit man offiziell als Verein auftritt, ist alles noch kreativer, konkreter und gemeinschaftlicher geworden. Gut 120 Mitglieder zählt der Förderverein inzwischen und die kommen laut Bürgermeister „aus der ganzen Republik“. Gut zweieinhalb Hektar ist die Bade- und Erholungsanlage groß, knapp ein Drittel davon ist uriger Campingplatz. Bernd Hane nennt das einen „Freizeit-Hotspot“, denn wer auf dem Sprungturm steht, sich auf den Liegewiesen in der Sonne aalt oder sein Zelt aufschlägt, blickt auf die Areale von Fußball-, Reit- und Schützenverein.

Die Gemeinde Dähre, die nur knapp 1500 Einwohner zählt, hat 17 Ortsteile. „Wir sind eine echte Flächengemeinde“, sagt Bürgermeister Hane, der in Dähre groß geworden ist. „Das ist ein Handicap, denn wir haben nicht die Mittel, um diese Fläche zu untersetzen. Vor allem im Freizeitbereich.“ Umso dankbarer ist er allen Vereinen und Engagierten, die etwas bewegen und den Menschen vor Ort einen Grund geben, hierzubleiben. „Wir wollen und können uns nicht damit abfinden, immer weniger zu werden“, betont er.

IN DEN 50ERN BEGANN MAN, AUS EINEM FROSCHTEICH EINE SCHÖNE BADEANSTALT ZU MACHEN.

Wissen muss man, dass die Altmark etwa doppelt so groß ist wie das Saarland, aber nur etwa 195 000 Einwohner in zwei Landkreisen zählt. Und es werden immer weniger. Die Region gehört damit zu den am dünnsten besiedelten Regionen
Deutschlands. Ein Fakt, der mittlerweile von der regionalen Tourismuswirtschaft als Pluspunkt hervorgehoben und erfolgreich
mit Schlagwörtern wie Entschleunigung, Ruhe und Entspannung vermarktet wird. Individualtouristen sind hier auf dem platten Land genau richtig. Sieglinde Mahlke ist die Vereinsvorsitzende und spricht von einer „tiefen Verwurzlung“ der Menschen mit dem Bad. „Seit man Mitte der 1950er Jahre begonnen hat, aus einem Froschteich in unzähligen unbezahlten
Arbeitseinsätzen eine schöne Badeanstalt zu machen, will die keiner mehr missen.“ Auch weil sie dem drohenden „Schließungstod“ schon öfter von der Schippe gesprungen ist. Oft sitzt Sieglinde Mahlke mit anderen Ehrenamtlichen an der Kasse oder weist Touristen einen Platz auf dem Campingplatz zu. „Die werden immer mehr“, berichtet sie. „Meistens bleiben sie eine Nacht.“ Wer außerhalb der Öffnungszeiten einen Schlafplatz braucht, der wählt ganz selbstverständlich die Handynummern von Sieglinde Mahlke oder Bernd Hane, die am Tor auf einem Zettel stehen. „Da fahren wir auch mal abends noch raus, wenn die Leute hier spät ankommen. Gerade im Sommer“, sagen sie übereinstimmend.

Im Oktober campieren in der Regel die letzten Saisongäste, die während ihres kurzen Aufenthalts eine saubere, moderne und teils sanierte Anlage im Grünen vorfinden. Zuletzt spülte der Betrieb des kleinen Campingplatzes pro Saison rund 5000 Euro in die Kasse. Das Bad, in dem es auch einen kleinen Kiosk für die traditionellen „Schwimmbad-Pommes“ gibt, zählte 2020 mehr als 12 000 Besucher. „Im Schnitt verkaufen wir jedes Jahr um die 120 Saisonkarten“, erzählt Sieglinde Mahlke. Und eins ist ihr ganz wichtig: „Auch die Vereinsmitglieder zahlen, wenn sie baden wollen.“

Mittlerweile ist der Förderverein nach Angaben seiner Vorsitzenden in der Lage, jährlich bis zu 20 000 Euro zum Badbetrieb beizusteuern. „2019 waren es 18 000 Euro und im schwierigen Corona-Jahr 2020 immerhin 15 000 Euro“, nennt Sieglinde Mahlke konkrete Zahlen. „Das geht von uns als Spende für den Betrieb des Waldbades an die Gemeinde.“

Einnahmen generiert der Verein unter anderem aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Veranstaltungen wie etwa dem sehr beliebten Waldbadfest oder dem Weihnachtsmarkt. Aber es ist nicht nur der Förderverein, der das idyllisch gelegene Waldbad zu dem macht, was es ist. Es sind auch Unternehmer, die ohne abzurechnen anpacken. So wie beispielsweise ein Fliesenlegermeister aus dem Ort, der auch schon mal abtaucht und im laufenden Badebetrieb dringend kaputte Fliesen auswechselt. „Das ist Gold wert“, sagt Sieglinde Mahlke. „Wir können ja nicht mitten im Sommer das Wasser für Reparaturen aus dem Becken lassen.“

Klar ist, dass in so einem gut frequentierten Schwimmbad neben den laufenden Betriebs- und Instandsetzungskosten auch Geld für unvorhergesehene Reparaturen aufgebracht werden muss. „2020 haben wir beispielsweise zwei Pumpen tauschen müssen“, erinnert sich Bernd Hane. „Das hat gut 10 000 Euro gekostet, war aber nicht zu umgehen.“ Auch deshalb nicht, weil das Waldbad Dähre in heißen Sommermonaten nicht nur Abkühlung bietet, sondern auch ein wichtiger Lernort ist. „Wo soll denn bitte der Schwimmunterricht hier sonst stattfinden?“, fragt Bernd Hane, der selbst Kindern das Schwimmen beibringt und 2020 in der DLRG-Ortsgruppe zehn Rettungsschwimmer neu ausgebildet hat. „Wir haben 25 Mitglieder und sind wirtschaftlich eigenständig.“ Ohne Waldbad wären auch die ehrenamtlichen Wasserretter schlecht dran.

Um den Individualtourismus in Dähre weiter anzukurbeln, möchte Bürgermeister Hane den Campingplatz in Zukunft noch besser vermarkten. „Das ist ausbaufähig“, ordnet er das Marketing ein. „Unterstützung bekommen wir vom 2019 gegründeten Altmärkischen Regionalmarketing- und Tourismusverband, dem wir beigetreten sind.“ Künftig sollen Waldbad und Campingplatz noch stärker als bisher Orte der Begegnung und Ankerpunkte für die Menschen in der Region sein.
www.gemeinde-daehre.de

TOURISMUS IST IMPULS FÜR LÄNDLICHEN RAUM

Ein starker Tourismus bringt vor allem für ländliche Gebiete wichtige Impulse. Die wirtschaftlichen Effekte sind groß, lassen doch Urlauber immer auch Geld in der Region, von dem unter anderem Hotels, Gaststätten und Museen profitieren. Aus dem Sparkassen-Tourismusbarometer 2020 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes geht hervor, dass nach flächendeckendem Nachfragewachstum in 2019 coronabedingt in 2020 ein starker Einbruch im Sachsen-Anhalt-Tourismus verkraftet werden musste. Im ersten Halbjahr 2020 waren demnach Nachfragerückgänge von 43,7 Prozent bei den Übernachtungen und 49,2 Prozent bei den Ankünften im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Folge. In der Urlaubsregion Altmark betrug das Minus 46,4 Prozent, was sich auch erheblich auf die Kultur- und Freizeiteinrichtungen ausgewirkt hat.

Quelle:

MAGAZIN
Land | Leute | Lebensraum

Ausgabe Februar 2021
Herausgeber Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt,
Referat Demografische Entwicklung und Prognosen,
Turmschanzenstraße 30, 39114 Magdeburg
demografie@mlv.sachsen-anhalt.de

Redaktion Sabrina Gorges, Harald Kreibich

Gestaltung Müller Marketing GmbH
Druck Harzdruckerei GmbH
Bildnachweis Anika Vierke (22),

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