Sekundarschule Dähre fühlt den Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn

#Dähre – Nicht ganz zwei Stunden mussten die vier Bürgermeisterkandidaten der Gemeinde Dähre durchhalten: Etwa 60 Schüler der Dährer Sekundarschule wurden mit Fragen auf sie losgelassen.

Dährer Bürgermeisterkandidaten stellen sich den Fragen der Schüler der Sekundarschule. Rund 60 Schüler der Klassen 8, 9 und 10 haben Fragen erarbeitet. ©Stefan Hartmann Altmarkzeitung

Passiert ist das im Zuge des Sozialkundeunterrichts, erklärt Lehrer Torsten Neumann. „Dichter am Leben lernt es sich leichter“, sagt er. Deshalb sollten die jungen Menschen der achten, neunten und zehnten Klasse mit den Kandidaten direkt in Kontakt treten, auch wenn nur ein Bruchteil von ihnen selbst an der Wahl teilnehmen kann. Etwas mehr als eine Hand voll von ihnen hebt auch eine, als Neumann zu Beginn der Veranstaltung fragt, wer denn bereits 16 ist. Aber auch für die anderen könne es eine lehrreiche Veranstaltung sein, sagt Anne Stein, Projektkoordinatorin beim Verein für Bildung (VFB), die auch die Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie des Altmarkkreises Salzwedel betreut. Denn nur, weil sie nicht an dieser Wahl teilnehmen können, vielleicht, weil sie nur in Dähre zur Schule gehen, aber nicht in der Gemeinde wohnen, oder noch nicht alt genug sind: Irgendwann sollen sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Und dann haben sie schon erste Kontakte zur Politik gehabt.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es gleich ans Eingemachte: Jede Klasse hatte eine Frage vorbereitet und wollte von den Kandidaten jeweils Antworten darauf haben. Wie sie zur Einrichtung eines Jugendclubs stehen, wollte die achte Klasse wissen. Dafür zeigten sich die Kandidaten jeweils grundsätzlich offen, auch wenn einige von ihnen stärkere Bedenken hatten als andere. Michael Olms erinnerte beispielsweise daran, dass es bis Anfang der 2000er noch einen Jugendclub gab, der aber – so ehrlich müsse man sein – zum Drogenumschlagplatz geworden war. Ein etwaiger neuer Club müsse organisiert und mit Leben gefüllt werden.

Die neunte Klasse wollten wissen, wie die Kandidaten sicherstellen wollten, dass die Sorgen der Bürger erhört würden und gleichzeitig Ziele bei den erneuerbaren Energien erreicht werden könnten. In dieser Sache waren sich die Kandidaten weniger einig. Jan Meine beispielsweise erklärte, dass das gesamte Land vor einer großen Transformation stehe und er grundsätzlich die Erneuerbaren Energien befürworte. Er erinnerte auch daran, dass Dähre voraussichtlich bis Ende 2026 keinen gültigen Haushalt haben werde und daher auch das Geld aus Windenergieanlagen gut brauchen könnte.

Emelie Walder, Kandidatin der Satirepartei „Die Partei“, fing sich bei ihrer Antwort einen Rüffel ein. Sie hielt sich offenbar zu lange mit dem ersten Teil der Frage auf und wurde von Neumann schließlich mit der Frage unterbrochen, wann sie denn endlich zur Windenergie käme. Die 34-Jährige hatte schon zuvor ausschweifend geantwortet, meist jedoch humoristisch bei den Schülern punkten können. Den Bogen überspannte sie jedoch offenbar, als sie dann, um die Frage zu beantworten, sehr langatmig eine Definition für Erneuerbare Energien aus einem mitgebrachten Buch vorlas, was später die Schülerin Pauline Herz bei den Einzelfragen auch als unhöflich kommentierte.

Ausbildung, Disko und Nahverkehr

Die Frage der zehnten Klasse zielte wieder auf Angebote für junge Menschen und Familien: Ob ein öffentlicher Spielplatz in Dähre vielleicht eher als ein Jugendclub Unterstützung finden würde. Dazu antwortete Anka Paggen beispielsweise sourverän, dass die beiden Optionen sich nicht ausschließen würden und man schauen könnte, was schneller ginge.

Als sie jedoch die Fragen an die Schüler richten sollten, stellte sie sich selbst ein Bein: Sie wollte wissen, wie die jungen Leute sich beteiligen und einbringen wollten, nur um hinterherzuschieben, dass die Frage in diesem Rahmen wohl nur schwer zu beantworten sei. Ihr scheinbar recht gebend, antwortete zunächst keiner der Schüler, bis sich ein Mädchen doch meldete und erklärte, dass ihr zuvor gemachter Vorschlag, öfter derartige Diskussionsrunden zu veranstalten, ganz gut wäre. Eine Lehrerin ergänzte, dass vielleicht die Schule ein Treffpunkt dafür sein könnte. Wichtig wäre, dass ein Bürgermeister nicht nur ansprechbar wäre, sondern auch aktiv zu den Schülern komme, um Antworten zu erhalten. Das würde die erste Hürde für die jungen Menschen umgehen.

Meine hingegen wollte wissen, was die Schüler, außer den bereits vorgetragenen Dingen, interessieren würde. Zum Beispiel, was es in Dähre brauche, damit sie gerne nach der Schulzeit dableiben wollen. Es bräuchte Ausbildungsplätze, sagte eine Schülerin. Eine Diskothek oder Kneipe, sagte ein anderer zur Belustigung seiner Altersgenossen. Und eine bessere Anbindung an den Nahverkehr, um Städte leichter erreichen zu können, wünschte sich eine andere.

Walcher fragte, wohin die jungen Leute in den Urlaub fahren, um dann zu ergänzen, ob sie möglicherweise ein „Work and Travel“ (zu Deutsch: Arbeiten und Reisen) anstreben würden. Das fand bei den Schülern weniger Zuspruch. Nach der Schule würden sie sich auf die Ausbildung konzentrieren, sagte eine Schülerin. Direkt nach der zehnten Klasse die Familie zu verlassen, sei eher „Kacke“, ergänzte eine andere.

Quellenangabe: Altmark Zeitung vom 12.09.2025, Seite 5

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Vom Spielplatz zum Windpark

VOLKSSTIMME VOM Samstag, 13. September 2025 Von Marco Heide

Die vier Bewerber um den Bürgermeister-Posten der Gemeinde Dähre haben sich in der Ganztagsschule den Fragen der Jugendlichen gestellt.

Jasmin Schönfeld (von rechts) stellte auch den Bürgermeister-Kandidaten Anka Paggen und Michael Olms die Frage der Zehntklässler. Foto: Marco Heide VOLKSSTIMME

Dähre. „Wir betreten mit dem Format Neuland“, erklärte Sozialkunde-Lehrer Torsten Neumann. Am Donnerstag hatten die Mädchen und Jungen der achten bis zehnten Klassen in der Aula der Dährer Ganztagsschule die Möglichkeit, ihre Fragen den vier Bewerbern um das Amt des Dährer Bürgermeisters zu stellen. „Ich bin froh, dass sie sich die Zeit genommen hatte. Das ist nicht selbstverständlich“, sagte Anna Stein von „Demokratie Leben“, die die Diskussionsrunde mit Torsten Neumann moderiert hat.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Kandidaten trugen drei Schüler stellvertretend die Fragen vor, die vorab während des Unterrichts vom Klassenverband erarbeitet wurden. „Werden Sie sich für einen Jugendclub einsetzen?“, fragte Charlotte Hamer für die Achtklässler. Anka Paggen, Michael Olms und Jan Meine zeigten sich offen für diesen Gedanken. „Auf jeden Fall, wir müssten vorab den Bedarf ermitteln“, meinte Paggen. Auch Jan Meine sagte: „Es sollte ein großes Gespräch geben.“ Michael Olms wies darauf hin, dass es bei einem Jugendclub Leute geben müsse, die in der Verantwortung dafür stehen. „Das Hauptproblem ist die Organisation. Das Leben müsst ihr reinbringen, ihr müsst euch engagieren, vielleicht ist eine Option, sich in einem Verein zu organisieren“, erklärte Michael Olms.

Emelie Walcher (Die Partei) deutete die Frage so, dass die Schüler einen Treffpunkt suchen. „Die zwei Bänke auf dem Feierabendplatz sind ein bisschen wenig, das Waldbad ist zu weit weg“, meinte sie. „Ein Treffpunkt wäre der Bürgerpark, den ich einrichten will, oder die Propstei, die ich zurückerobern möchte. Oder wie wäre es mit einer Kellerbar in der Schule?“, warf Walcher nicht ganz ernst gemeint in den Raum.

Die Zehntklässler fragten, vertreten von Jasmin Schönfeld, ob es nicht besser wäre, einen öffentlichen Spielplatz einzurichten. Auch für dieses Thema zeigten sich die Bewerber offen. „Dähre ist die einzige Gemeinde in der Verbandsgemeinde, die keinen öffentlichen Spielplatz hat“, wusste Michael Olms, der bereits VG-Bürgermeister und auch Dährer Gemeinde-Oberhaupt war. „Die Gemeinde hat sich entschieden, den Spielplatz im Bad zu forcieren. Wir brauchen aber einen Spielplatz in Dähre“, unterstrich Jan Meine. „Wir brauchen Jugendclub und Spielplatz und müssen schauen, was sich am schnellsten und direktesten umsetzen lässt“, antwortete Anka Paggen.

Michael Olms verwies in diesem Zusammenhang auf den Förderverein in Bonese, der sich der Aufgabe gestellt hat und bereits das erste Spielgerät angeschafft habe. „In Dähre sollte aber die Gemeinde aktiv werden. Und ein Spielplatz ist definitiv einfacher umsetzbar als ein Jugendclub“, meinte Olms. Und Emelie Walcher antwortete: „Einen Spielplatz habe ich im Bürgerpark angedacht.“

Die Neuntklässler brachten dann das aktuell brisanteste Thema der Gemeinde auf den Tisch. Es ging um den Windpark auf dem Gemeindegebiet und wie die Kandidaten Bürgerwille und die Umsetzung der Klimaziele unter einen Hut bringen wollen.

„Hier hat uns die Politik im Stich gelassen“, sagte Michael Olms. Aus seiner Sicht müsse erst die Infrastruktur für den Abtransport des Stroms geschaffen werden, bevor neue Anlagen gebaut werden. Windkraft im Wald lehnt Olms ab. Auf Freiflächen mit genügend Abstand zu den Dörfern sei das für ihn okay. „Ich bin mit gewissen Einschränkungen für die Anlagen. Wir nehmen das Geld, damit die Gemeinde handlungsfähig bleibt“, sagte Jan Meine. „Es geht konkret darum, Geld für konkrete Projekte zu verdienen. Privat passt mir das auch nicht, dass Windkraftanlagen im Wald stehen“, fügte er hinzu.

Als Initiatorin des Bürgerbegehrens gegen den Windpark spricht sich Anka Paggen gegen dieses Projekt aus. „Man muss Demokratie leben. Ihr habt hier den Fall, dass der Bürgerwille nicht gehört wird“, sagte Paggen in Richtung der Schüler.

Emelie Walcher ist gegen Windkraft im Wald und findet nur in Maßen solche Anlagen auf Freiflächen vertretbar.

https://www.volksstimme.de/lokal/salzwedel/steht-das-burgerbegehren-in-dahre-endgultig-vor-dem-aus-4108756

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