Wie sich das Prinzenpaar gefunden hat und warum die Familien dabei so wichtig sind

Von Anke Pelczarski VOLKSSTIMME
Wie wird man zum Karnevals-Prinzenpaar? Was ist das Besondere daran? Darüber erzählen ihre Lieblichkeit Karina (Olms-Schulz) und Prinz Burger I. (Boohs).

Ihre Lieblichkeit Karina Olms-Schulz und Prinz Burger I. Boohs regieren in dieser Saison in Dähre.

Dähre ● Am Anfang war diesmal die Prinzessin. Das kommt in der Geschichte der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre nicht so oft vor, hat Karina Olms-Schulz von langjährigen Mitgliedern gehört. Ein kleines bisschen Schuld daran sei ihre Mutti Heike Olms, fügt die 44-Jährige, die in Mehmke zu Hause ist, schmunzelnd hinzu. „Meine Mutti schrieb mich an, ob ich mal vorbeikommen könne, ohne Kinder. Es gebe was wichtiges zu bereden“, blickt sie zurück. Eigentlich hatte sie keine Zeit, fragte nach, ob das nicht auch telefonisch gehe. Das sei nicht möglich, war die Antwort. Also machte sie sich auf den Weg nach Fahrendorf. Dort erblickte sie das Auto von Sieglinde Mahlke. „Und da machte es klick bei mir“, schildert die Mutter dreier Kinder. Denn Sieglinde Mahlke und Volker Patzke sind aktuell die Prinzenbeschaffer des Vereins. Und genau in dieser Mission waren die beiden unterwegs.

„Mein Mann hat sein Okay gegeben, das war mir sehr wichtig.“

Ihre Lieblichkeit Karina

„Ich habe mir Bedenkzeit erbeten, ob ich die Aufgabe übernehme, wollte erst mit meinem Mann Andreas darüber sprechen“, schildert sie. So ganz abgeneigt sei sie nicht gewesen, fühlt sie sich doch mit dem Dährer Karneval verbunden. „1993 war ich Kinderprinzessin. Kurz darauf haben wir aus einer Tanzgruppe heraus die Funkenmariechen aufleben lassen, mit selbst genähten Röcken, weißen T-Shirts und Dreieckshüten“, erinnert sich Karina Olms-Schulz. Bis 2001 habe sie bei der Frauengarde mitgemacht, dann passte es beruflich nicht mehr.

Die ältere ihrer beiden Töchter sei als Dreijährige bei den Minifunken eingestiegen. „Ich war wieder bei Veranstaltungen dabei, habe beim Schminken mit geholfen. Da war das Karnevalsvirus erneut geweckt“, erzählt die Prinzessin, die beruflich ein Hotel am Bernsteinsee leitet.

Doch steht ihre bessere Hälfte auch zum Prinzessinnen-Vorhaben? „Mein Mann hat sein Okay gegeben, das war mir sehr wichtig. Also habe ich zugestimmt. Überlegungen, wer der Prinz werden könnte, gab es da schon“, schildert sie. Burger Boohs sei in der engeren Wahl gewesen.

„Die Prinzenbeschaffer besuchten mich an einem Montagabend, als es schon dunkel war. Denn es darf keiner in Dähre mitkriegen, wenn sie unterwegs sind“, sagt der 53- Jährige. Für den Angesprochenen, der als Ortswehrleiter von Dähre engagiert ist, sei es „eine Überlegung wert“ gewesen. „Seit meine Frau Andrea in der Saison 2014/15 Prinzessin war, sich jetzt im Vorstand und bei den Tanzmäusen engagiert, bin ich nicht mehr so abgeneigt, was den Karneval betrifft“, gesteht er. Vor knapp fünf Jahren habe er als Ersatz Elferrat ausgeholfen bei der 65- Jahr-Feier und die Sicht aufs Publikum von der Bühne aus genossen. „Als die Frage kam, ob ich Prinz werden wolle, habe ich erstmal geantwortet: ,Das glaube ich nicht, was ihr wollt’“, erinnert sich Burger Boohs. Binnen kurzer Zeit war für ihn klar: „Wenn ich nicht von vornherein davon überzeugt wäre, dass es schön wird, dann hätte ich erst gar nicht mit dem Darüber-Nachdenken angefangen.“ Nach knapp zwei Tagen stand sein Entschluss, bestärkt durch seine Frau Andrea, fest. Und er erfuhr nun, wer die Prinzessin ist. „Für mich ist es wichtig, dass es nach drei Jahren, bedingt durch Corona, endlich wieder ein neues Prinzenpaar gibt. Getreu dem Motto: Jetzt erst recht“, fügt der Vater zweier Kinder, der als Außendienstmitarbeiter eines privaten Landhandels arbeitet, hinzu.

An der Idee, wie die beiden bei der Festsitzung ins Rampenlicht rücken, sei eine Weile getüftelt worden. Denn es habe verschiedene Möglichkeiten gegeben. Eine Variante: die Schulstunde der Frauen- und Prinzengarde vom Ende der 1990er Jahre noch einmal zu beleben. Karina Olms-Schulz hatte die Lehrerin gemimt.

„Von den einstigen Mitstreitern ist leider kaum noch einer dabei.“

Karina Olms-Schulz

„Von den einstigen Mitstreitern ist leider kaum noch einer dabei. Da haben wir das wieder verworfen“, blickt sie zurück. Also rückte die Feuerwehr in den Fokus, die in der Turnhalle einen „Einsatz“ hatte, der dank Nebelmaschine echt wirkte. Wenn sechs Atemschutzgeräteträger agieren, dann sei das Erkennen nicht so leicht. „Aber fast wäre ich nicht zu meiner Prinzessin gekommen. Denn ein Karnevalist hat seinen Einsatz verpasst. Aber mit etwas improvisieren ging es doch noch“, erzählt Burger Boohs eine Episode vom besonderen Abend im November.

Er habe seinen beiden Töchtern – Caroline tanzt seit zwölf, Greta seit zehn Jahren bei den Funken – in den Herbstferien beim Urlaub in Griechenland verraten, dass er der neue Prinz sein werde. Sie hätten sich sehr darüber gefreut. „Caroline ist eine Stunde später auch das Motto eingefallen, das uns die Saison begleitet: ,Seid Feuer & Flamme! Der Dährer Karneval ist wieder voll im Gange’.“ Ihre Lieblichkeit hat dagegen ihren Kindern nichts verraten. „Unsere Kleine ist ziemlich redselig, das wäre schief gegangen“, weiß sie. Doch die Mama sei rasch erkannt worden, „an der Uhr, an den Schuhen“. Die Großen hätten sich sehr gefreut, die Jüngste (8) musste das Geschehen erst verarbeiten.

„Für mich war der Auftakt der 69. Saison wie ein Nach-Hause-Kommen“, schwärmt die Mehmker in noch heute. Der Karneval habe ihr früher richtig Spaß gemacht. Die Erinnerungen ans Tanzen und an die gute Stimmung seien geblieben. „So ist es auch heute noch“, freut sie sich. Der Umgang miteinander sei freundschaftlich. „Ich habe mich an dem Abend sehr wohlgefühlt“, beschreibt sie. Auch Burger Boohs hat die Stunden genossen: „Ich hatte das Gefühl, nicht mit allen getanzt zu haben. Die Zeit war irgendwie viel schnell um.“

„Wir müssen bestrafen, aber das müssen wir erst lernen.“

Prinz Burger I.

Nun laufen die Elferratssitzungen auf Hochtouren. Denn die besonderen Tage im Februar wollen gut vorbereitet sein. „Wir merken jetzt, was alles dazugehört. Da hat jeder seine Aufgaben“, schildert die Prinzessin. Der Prinz ergänzt: „Die Elferratssitzungen sind Gewöhnungssache. Wir dürfen bestrafen, aber das müssen wir erstmal lernen. Es klappt schon etwas besser.“ Denn die Kasse solle für die gemeinsame Abschlussfete gut gefüllt sein.

Die beiden versuchen, alles gut unter einen Hut zu bringen. Die eigenen Umhänge wollen genäht, die Kutsche für den Rosenmontagsumzug geschmückt, Kamelle für den Kinderkarneval besorgt werden und noch viele weitere Kleinigkeiten. „Wir haben den Rückhalt in unseren Familien. Das ist sehr wichtig“, betonen beide. Und sie hoffen, dass es gelingt, den Dährer Karneval nach der Zwangspause wieder so richtig in Gang zu bringen. Und dass viele zum Mitfeiern bei den Veranstaltungen und zum Zuschauen beim Rosenmontagsumzug kommen.

Termine

  1. Januar, ab 10 Uhr: Kartenvorverkauf für den Rosenmontagsball im Dorfkrug Dähre
  2. Februar, 14 Uhr: karnevalistischer Nachmittag in der Turnhalle
  3. Februar, 14 Uhr: Kinderkarneval in der Turnhalle, ab 17.30 Uhr Fackelumzug
  4. Februar, 9 Uhr: Wachaufzug zum Prinzenpalais
  5. Februar, 14 Uhr: Rosenmontagsumzug, Start am Waldbad
  6. Februar, 19 Uhr: Rosenmontagsball in der Dährer Turnhalle

Die Volksstimme empfiehlt vom 23. Januar 2023 den Artikel Damit der Karneval in    Dähre weiterlebt https://epaper.volksstimme.de/volksstimme/share/UEpDRjFJQzhtOGtIdU1aemp5UlhodTU1NEVrQWRwYlBPQm1DaWtQeEo4WGdQd09rRXZwWlUvNk5iQVFTYWg4VS8ySHJIbURFVmVNSGJRRDZuSG1uZkJPL2NZRGx1ZmNGNjd6Q3NVbVNEcE9Wd2xreDB0cUtDRFF2L0hlYXNRPT0=?preview=true 

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