Konditormeisterin Kathleen Goedicke hat sich im Dährer Ortsteil Schmölau mit dem Café Nr. 3 einen Traum erfüllt. Denn das Backen ist ihre Leidenschaft. Heute bringt Tochter Hannah neue Ideen mit ein. Sie hat ebenfalls ihren Meister gemacht.
#Schmölau „Die Buttercreme ist ein Träumchen“, schwärmt Inka Böttcher-Döring. Ihr Mann Torsten Böttcher ergänzt: „Man schmeckt, dass hier alles mit Liebe gebacken ist.“ Das Paar ist gerade auf der Rückreise von der Ostsee nach Emden in der Börde, wo es zu Hause ist. Beim Durchfahren ist ihnen das Café Nr. 3 in Schmölau aufgefallen – das kennen sie noch nicht. Die Lust zum Pausemachen ist geweckt. Die beiden wählen Torte und Kaffee aus. Kathleen Goedicke bringt ihnen das Gewünschte an den Tisch. Die Konditormeisterin hat auch Zeit für einen kurzen Schnack. Und erfährt so nebenbei, dass Torsten Böttcher seine Wurzeln in Diesdorf, also ganz in der Nähe, hat.

„Diese Gespräche mit den Kunden, die mag ich besonders“, erzählt die 55-Jährige, die ihr Café Nr. 3 am 1. März 2020 eröffnet hat. 14 Tage vor Corona. Dann ging erstmal gar nichts mehr. „Das war schon ein holpriger Start. Wir brauchten Geduld“, sagt Kathleen Goedicke rückblickend.
Konditorin ist sie eher notgedrungen geworden. „Da war in der Großbäckerei in Salzwedel eine Lehrstelle frei“, erinnert sie sich. Es war nicht unbedingt der Traum der Jugendlichen, die die zehnte Klasse mit Auszeichnung abgeschlossen hatte. Doch ihre Oma habe gesagt: „Das ist doch schön, essen müssen die Leute immer.“
Gleich nach der Lehre ging sie zum Studium nach Dippoldiswalde, wurde Ingenieur für Lebensmitteltechnologie, Spezialrichtung Backwarentechnologie. Sie arbeitete in Wahrenholz, machte 1997 ihren Meister an der Fachschule für Konditoren in Wolfenbüttel. Dann kam ihre Tochter Hannah zur Welt. „Mit einem Kind ist es schwierig, nachts zu arbeiten“, sagt Kathleen Goedicke rückblickend. Also habe sie sich 2010 in Schmölau mit der Konditorei „süß & fein“ selbstständig gemacht. Der Keller wurde zur Backstube umgebaut. Hier fertigt sie Hefekuchen, Torten und mehr für Hochzeiten und andere Feste auf Bestellung. „Einmal im Monat habe ich einen ,Kellerverkauf’ angeboten, damit die Leute mal probieren können, was hier so entsteht“, erzählt sie.

Die Idee vom eigenen Café wurde im Familienrat geboren. Mit den schon geschilderten Startschwierigkeiten. Heute gilt das kulinarische Angebot an der Landesstraße 7, die nach Niedersachsen führt, als Geheimtipp.
„Ich möchte das Café nicht mehr missen“, gesteht Kathleen Goedicke. Auch wenn für sie freitags, sonnabends und sonntags die Nacht oft schon um 2 Uhr zu Ende ist. Denn dann geht es in die Backstube, um die süßen Kreationen zu „zaubern“. Es soll alles frisch sein. Dabei packt auch Tochter Hannah mit zu. „Sie ist seit März 2023 dabei. Und sie hat ihren Konditormeister übrigens mit einer Eins gemacht, als Drittbeste in Sachsen-Anhalt“, erzählt die Mutter stolz. Gerade drückt die 23-Jährige noch einmal die Schulbank, macht ihren Betriebswirt.
Selbst gemachte Pralinen

„Wir ergänzen uns gut“, sagt Kathleen Goedicke und fügt hinzu: „Wir haben beide die süße Leidenschaft.“ „Ganache kochen“, „Rosetten aufdressieren“, „Baiser abflämmen“ oder „Pralinen igeln“: Die Fachbegriffe sind oft zu hören. Doch jede wisse dann, was zu tun sei – ohne viel Erklärungen.
Ihre Tochter habe neue Ideen mit eingebracht, schildert Kathleen Goedicke. So gibt es beispielsweise Schmölauer Baumkuchenspitzen und selbst gemachte Pralinen. Einzug hielt auch eine Zitrusfrucht, die Kalamansi (eine Kreuzung aus Kumquat und Mandarine), die ein bislang unbekanntes Geschmackserlebnis in Torte oder Törtchen bringt.
„Wir versuchen, an jedem Öffnungstag mit unserer Auswahl viele Geschmäcker anzusprechen“, sagt die 55-Jährige. So wie mit der Stachelbeer-Baiser-Torte, die sich gerade Hans-Peter Marhold schmecken lässt, ein Stammkunde aus Salzwedel. „Hier ist eine tolle Atmosphäre, es ist sehr familiär. Wer hier einmal war, kommt wieder her“, schildert er, warum er sich an drei Tagen pro Woche den Ausflug in das 54-Seelen-Dorf Schmölau gönnt: um zu genießen. Die Chefin freut sich über die lobenden Worte.
Da seien noch mehr Kunden, die ihr ans Herz gewachsen sind: wie eine Rentnertruppe, die freitags einkehrt, ehemalige Arbeitskollegen, die sich hier wiedersehen… Die Gäste stehen oft fasziniert vorm Kühlschrank mit den Torten wie Limette-Minze für den Sommer oder Pfirsich-Schmand-Holunder. Auch kleine Teilchen wie Lemon-Cheese-Cake finden ihre Liebhaber. Hefekuchen sind ebenso gefragt. So wie der Butterkuchen. Oder der Glatteiskuchen: „Das Rezept stammt noch von meiner Oma. Da hängt für einige Gäste auch ein Stück Erinnerung dran.“ Laktose- und glutenfrei, das könne sie bieten. „Aber mit veganem Kuchen will ich nicht anfangen. Wer den essen möchte, sollte ihn selbst backen“, meint Kathleen Goedicke.
Sammeltassen ausgestellt
Wenn die Kunden ins Café kommen, staunen sie über Sammeltassen, Bleikristall, Milch- und Zuckerkännchen, die Fensterbänke, Nischen und ein Regal schmücken. Das sei nicht nur ihre Leidenschaft, sondern wecke auch Erinnerungen bei den Besuchern. Viele bleiben zudem stehen, um drei an der Wand stehende Zeilen zu entziffern. Dort steht in Sütterlin: „Im Leben und beim Backen braucht man immer die besten Zutaten und viel Liebe.“ Genau das ist Kathleen Goedickes Geheimrezept, die glücklich ist, mit ihrer Tochter arbeiten zu können. Zwei Konditormeisterinnen im kleinen Schmölau…
Geöffnet ist das Café in dem Dährer Ortsteil übrigens freitags, sonnabends und sonntags sowie an Feiertagen von 13.30 bis 17.30 Uhr. Wer auf Nummer sicher gehen will, ob für ihn ein Genussplatz frei ist (50 gibt es im Inneren und 32 unter freiem Himmel), der sollte sich unter Telefon 039039/ 9 58 27 melden. Es kann auch gern reserviert werden.
Quelle: Von anke Pelczarski
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