Land stellt in Bad Bodenteich den Planungsstand zum Bau der B190n vor – und erntet Kritik

Bad Bodenteich – Sie wird etwas flapsig „Hosenträger-Variante“ genannt, aber diese Bezeichnung wurde am Donnerstag bei einem Infoabend in Bad Bodenteich nur ein einziges Mal gebraucht. Viel häufiger ging es um den Begriff „Querspange“, und diese soll die Bundesstraße 190n einmal werden. Auf niedersächsischem Gebiet soll die neue Trasse auf 19,5 Kilometern Länge von der B4 bei Breitenhees über die A39 südöstlich von Abbendorf bis zur Landesgrenze von Sachsen-Anhalt verlaufen. In der Altmark soll die Bundesstraße dann bis zur A14 bei Seehausen weitergeführt werden.

Vor etwa 80 Zuhörern im Brauhaus der Burg Bodenteich stellte die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr jetzt den aktuellen Planungsstand der B190n vor. Dabei ging es aber nur um den 16,3 Kilometer langen westlichen Teil von der B4 bis zur A39. Im Dezember hatte dazu bereits ein Infoabend in Bokel stattgefunden.

Trasse der L265 soll mitgenutzt werden

Dirk Möller, Leiter des Geschäftsbereichs Lüneburg der Landesbehörde, hatte zum Termin in Bad Bodenteich eigene Mitarbeiter und externe Fachleute mitgebracht. Sebastian Schmidt vom Planungsunternehmen EIBS erläuterte den Verlauf der B190n: Beginnend an der B4 bei Breitenhees, soll sie nördlich an Bokel vorbeiführen und danach auf etwa vier Kilometern Länge die Trasse der jetzigen L265 nutzen.

Weiter östlich wird ein Knotenpunkt auf der Verbindungsstraße zwischen Reinstorf und Röhrsen geschaffen. Bei Lüder soll die Trasse den Elbe-Seitenkanal – nördlich der bestehenden Brücke – überqueren. Dazu ist ein neues, 190 Meter langes Brückenbauwerk geplant. Nicht weit davon entfernt soll die neue Bundesstraße unter der Bahnstrecke entlangführen und danach die Kreisstraße 15 überqueren. Im weiteren Verlauf ist ein Knotenpunkt östlich der L270 geplant, enden soll dieser Teil der B190n an der A39.

Zu den Präsentationen gab es viele Nachfragen der Bürger. Eckehard Niemann vom Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz wies darauf hin, dass der durch die Altmark verlaufende Abschnitt der B190n im Bundesverkehrswegeplan vom vordringlichen in den weiteren Bedarf zurückgestuft worden sei. Andere Zuhörer sprachen davon, dass das Land Sachsen-Anhalt diese Herabstufung vorgenommen habe. „Die Finanzierung ist nicht sicher“, meinte Niemann. Ohne den sachsen-anhaltinischen Teil der B190n mache auch der westliche Abschnitt keinen Sinn.

Schafwedelerin warnt vor Verkehrsbelastung

„Haben Sie geprüft, was passiert, wenn der östliche Teil nicht gebaut wird? Was passiert dann mit den kleinen Dörfern an einer Straße, die plötzlich zu einem Zubringer zur A39 wird?“, fragte eine Schafwedelerin und warnte vor ausuferndem Verkehr.

Eine konkrete Antwort hatte Christian Schlattmann, Projektkoordinator bei der Landesbehörde, nicht parat. Nur so viel: „Wir unterstellen nicht, dass die B190n in Sachsen-Anhalt nicht gebaut wird.“ Hier setzte Bad Bodenteichs früherer Bürgermeister Claus-Dieter Reese an. „Wir befürworten das“, sagte er mit Blick auf die B190n, „aber nur, wenn es in Sachsen-Anhalt weitergebaut wird, sonst haben wir ein Verkehrschaos in Bad Bodenteich.“

Warum wird nicht die bestehende B71 von Salzwedel nach Uelzen als künftige Querspange genutzt? Das fragte Wolfgang Schulze aus Lüder. „Diese Variante wurde geprüft, aber sie war nicht vorzugswürdig“, erklärte Schlattmann. Bei der Nutzung der Trasse hätten viele Ortsumgehungen um kleine Dörfer gebaut werden müssen. Zudem gebe es dort relativ viele Schutzgebiete.

Holger Heitsch aus Reinstorf wollte wissen, wer sich künftig um die Wirtschaftswege an der B190n kümmern werde. „Die Unterhaltung dieser Wege wird an die entsprechende Kommune übertragen“, sagte Dirk Möller und stieß damit auf Missfallen bei den Zuhörern.

Kritik am Begriff „Arbeitskreis“

Und warum soll die Trasse der B190n unter- und nicht oberhalb der Bahnstrecke entlangführen, fragte Tankmar Sauer aus Lüder. „Eine Überführung der Bahnlinie würde einen sehr hohen Eingriff in das Landschaftsbild durch die hohe Dammlage bedeuten“, erläuterte Sebastian Schmidt.

Kritik erntete Annette Padberg, Fachbereichsleiterin in der Landesbehörde, als sie „weitere Arbeitskreise mit Trägern öffentlicher Belange“ ankündigte. Sprakensehls Bürgermeisterin Irmgard Pfeffer hielt den Begriff „Arbeitskreis“ für deplatziert, weil es dabei keine echten Mitwirkungsmöglichkeiten für die Bürger gebe.

Schon 2025 hätten sich Interessierte mit Vorschlägen eingebracht – ohne Erfolg, kritisierte eine andere Zuhörerin. „Sie präsentieren uns hier die gleichen Folien wie schon im März. Die Planung der Trasse ist unverändert.“ Padberg versprach jedoch: „Wir werden mit Ihnen im Dialog bleiben. Wir nehmen Ihre Punkte auf.“ Zudem blickte sie voraus: Das Planfeststellungsverfahren für die B190n werde frühestens 2029 eingeleitet, der Planfeststellungsbeschluss sei nicht vor 2032 zu erwarten.

Es werde weitere Infoveranstaltungen zur B190n geben, kündigte Möller an. Das Protokoll des Bodenteicher Infoabends und die Präsentation werden jetzt auf der Homepage der Landesstraßenbaubehörde Lüneburg veröffentlicht.

Quellenangabe: Von BERND SCHOSSADOWSKI Altmark Zeitung vom 09.02.2026, Seite 2

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