Gemeinde Dähre kann eigenes Strom- und Wärmenetz erhalten / Workshop ausgewertet

#Bonese / #Dähre – Wie kann die Gemeinde Dähre auch noch in rund 25 Jahren lebenswert sein? Was muss getan werden, um die Lebensqualität zu steigern und nicht in die Demografiefalle zu laufen? Antworten auf diese Fragen gab es beim Workshop „Dähre 2050: Chancen. Möglichkeiten. Aufgaben“ am 13. und 14. Juni mit Dirk Neubauer. In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch in Bonese wurde der Workshop ausgewertet. Neubauer war erneut dabei. Einer der Kernpunkte seines sehr interessanten Vortrags: Die Gemeinde Dähre kann sich ein eigenes Strom- und Wärmenetz aufbauen und damit unabhängig von großen Versorgern machen.

Dirk Neubauer (stehend, rechts) erklärte im Dährer Gemeinderat, wie sich die Gemeinde ein eigenes Strom- und Wärmenetz aufbauen kann. Foto: ©Christian Reuter

Dirk Neubauer, 1971 in Halle an der Saale geboren, war Bürgermeister von Augustusburg, wo er noch heute lebt, und von August 2022 bis September 2024 Landrat des Landkreises Mittelsachsen. Zudem ist er als Journalist und Buchautor bekannt. Neubauer ist Geschäftsführer der dne.partners GmbH und berät Kommunen und Bürger bei der Entwicklung ihrer Kommune zu mehr Resilienz, Klimaschutz und Autarkie.

Wie kann das Heizen bezahlbar bleiben?

„Es ist bemerkenswert, dass ich von einer Anti-Windkraft-Bewegung eingeladen wurde. Das ist nicht immer so, dass man vernünftig miteinander reden kann“, sagte Neubauer am Mittwoch im Dorfgemeinschaftshaus in Bonese. Die erneuerbaren Energien seien umstritten, aber im ländlichen Raum auch eine Chance. Denn eines der größten Probleme in den nächsten Jahren sei dort, das Heizen bezahlbar zu halten. „Irgendwann wird das Heizen mit Gas kein Spaß mehr und das Tanken auch nicht“, verdeutlichte Neubauer.

Die Energiewende sei eine Abwägung von kleinerem und größerem Übel. „Wenn ich Strom vor Ort produzieren und nutzen kann, komme ich zu deutlich günstigeren Preisen“, sagte der Geschäftsführer und nannte eine Zahl von 21 Cent pro Kilowattstunde. In der Gemeinde Dähre kämpft die Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Schmölauer Forst“ gegen den Bau von Windrädern mitten im Wald. Von bis zu 41 Anlagen war mal die Rede, zuletzt noch von 30. Aber: „Ihr braucht in den nächsten 30 Jahren keine Angst zu haben, dass ihr verspargelt werdet. Das gibt das Netz gar nicht her. Zehn Windkraftanlagen für das Gebiet Dähre sind realistisch“, erklärte Neubauer.

Dähre verliert jährlich 17 Einwohner

Derzeit verliere die Gemeinde jährlich 17 Einwohner. Wenn sich nichts ändere, werde bis 2050 die Marke von 1000 Einwohnern unterschritten. Das würde allerdings viele weitere Probleme nach sich ziehen. Durch weniger Einwohner gebe es weniger finanzielle Zuweisungen vom Land. Der Wasserverbrauch sinke, dadurch müssten die Leitungen öfter gespült werden, was zu höheren Kosten führe. Auch die Infrastruktur leide; dies sei heute schon der Fall, würde sich dann aber noch verstärken.

Welche Gegenmaßnahmen gibt es? Eine Kommune benötige Einnahmequellen. Dabei könnten die erneuerbaren Energien helfen. Über einen Zeitraum von 20 Jahren könnte die Gemeinde 500.000 bis 750.000 Euro als Ertrag von den Windkraftanlagen-Betreibern einnehmen. Und das für jede Anlage. „Dieses Geld bleibt hier“, stellte Neubauer klar.

Die Frage sei, was mit dem erzeugten Strom gemacht werde. Laut Neubauers Darstellung könnte ein Dorf-Werk gegründet und die Wärmeplanung mit den erneuerbaren Energien gekoppelt werden. Dadurch könnten ein günstiger Wärmepumpenstrom und ein Bürgerstromtarif bereitgestellt werden. „Für 340 Euro monatlich wäre die Versorgung mit Strom und Wärme für ein Einfamilienhaus möglich, über zehn Jahre gesehen. Dähre könnte ein Pilot werden“, betonte Neubauer.

Bürgergenossenschaft hat Kaltwärmenetz

Er nannte das Beispiel einer Bürgergenossenschaft, die sich in einer Stadt im Erzgebirge ein Kaltwärmenetz geschaffen habe. Dabei werde das Wasser mit niedrigen Temperaturen (etwa 18 Grad) durch die Rohre in einem Wohngebiet geleitet und dann in jedem Gebäude mit einer eigenen Wärmepumpe erwärmt.

Neubauer stellte auch klar, dass der infolge des Klimawandels notwendige Waldumbau (der Schmölauer Forst ist eine Kiefernmonokultur) nur über Windkraft-Erträge zu finanzieren sei. Es gebe den Zielkonflikt Wald gegen Wind. Neubauers Fazit am Ende seines Vortrags: „Die Bürger wünschen sich eine Fortsetzung des Dialogs zur Zukunftsgestaltung der Gemeinde.“

Von CHRISTIAN REUTER

Quellenangabe: Altmark Zeitung vom 29.08.2026, Seite 4

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